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Die
Allgemeinheit der Geometrie scheint immer wieder die zu sein,
daß von einem Begriff die Rede ist und
wir uns nicht um die
Gegenstände kümmern || man sich nicht um die Gegenstände
kümmert, die unter diesen Begriff fallen. Aber
so kann es natürlich nicht sein, sondern wir folgen hier
– wie so oft – einer falschen Analogie. |
Welcher Art ist eine
allgemeine Anweisung zu einer gewissen euklidischen Konstruktion? Sie hat ihre Wirkung,
erfüllt ihren Zweck, erst wenn man sie anwendet, und dann
stellt sie sich einem gleichsam zur Verfügung, indem die
Variablen in ihr nun Werte annehmen. |
Man könnte so fragen:
Ist etwa ein allgemeiner geometrischer Satz unendlich
komplex, da unendlich viele spezielle
Anwendungen || Fälle aus
ihm folgen? – Nun, er ist es offenbar
nicht. Ich möchte immer sagen: die Allgemeinheit der Geometrie ist nur dadurch möglich, daß sie nicht aus Sätzen besteht. |
Man kann
ein Brotmesser nicht allgemein nennen, weil sich kleine und
große Stücke damit schneiden
lassen. |
“Wenn du eine Strecke halbieren willst, so nimm sie in den
Zirkel, etc.” Und nun zeichnet man
eine Figur, in der dies alles an einer Strecke
wirklich vollzogen ist und nimmt an,
daß der Andere es nun danach an jeder
beliebigen Strecke wird vollziehen können. Die Regel
setzt natürlich die unendliche Möglichkeit des Raumes
voraus, aber nicht “eine unendliche Anzahl” von
Möglichkeiten. |
Stellen wir uns einen Menschen vor, der so eine allgemeine Vorschrift
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benützt. Er schaut auf
die Vorschrift, dann auf sein Papier: Ich soll die
Strecke in den Zirkel nehmen, – jetzt einen Kreis schlagen,
– etc., etc. Aber in
der Vorschrift steht ja garnichts von
dieser Strecke. Aber so
faßt der sie auf, der sie anwendet.
|
Der Vorschrift zur
Halbierung entspricht eine Vorrichtung zur Halbierung und
in dieser wäre ein Teil etwa ein verstellbarer Schlitten, der
sich der zu teilenden Strecke anpassen würde. Hier
hätten wir das Analogon zur Allgemeinheit des
Brotmessers. |
Könnte man sagen: die
Figur kann durch bestimmte Arten von Zerrspiegeln betrachtet werden
und behält, durch sie gesehen, ihre beweisende Kraft.
Sie wird von vorn herein so verstanden,
daß sie durch alle diese
Zerrspiegel betrachtet werden kann. Nur das allen diesen
Bildern Gemeinsame, welches sie verkörpert, ist das
eigentliche Symbol. |
Man könnte nun freilich – fälschlich – die
Figur als den Begriff und ihre verschiedenen Bilder als die unter
ihn fallenden Gegenstände auffassen. |
Der Beweis kann nichts
prophezeien. D.h. er
kann nichts Wirkliches prophezeien. |
(Wir erkennen oft im verzerrtesten Schatten die Figur, die ihn
wirft.) |
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(Die fragliche Allgemeinheit tritt, natürlich, schon in die
Definition des Kreises als Ort aller Punkte
etc. ein.) |
Es muß sich da
natürlich um die Definition einer Variablen handeln, für
die ein gewisses Gebiet von Werten bestimmt wird, aber freilich nicht
als Klasse von Werten. – Wenn ich also die
vermeintliche Schlußkette mit dem Satz
anfinge “alle Radien eines Kreises sind gleich
lang”, so wäre das schon falsch,
d.h. ein unsinniger Anfang.
Wenn ich den Kreis etwa durch die Gleichung r = const. definiere, so muß die unendliche Möglichkeit der r nach der Lage des Radius natürlich in der Bedeutung dieser Definition beschlossen liegen; aber nicht in Form einer Klasse möglicher Werte, sondern, wenn es sich um eine zahlenmäßige Geometrie handelt, durch das Gesetz der Bildung rationaler Zahlen, und, soweit es sich um eine Gesichtsgeometrie handelt, durch die jedem Radius anhaftende unendliche sichtbare Möglichkeit. |
Ich sagte früher einmal, man könnte sich eine
Euklidische
Demonstration auch an einer bewegten
Figur ausgeführt denken. Es ist aber nicht
wesentlich, daß sie bewegt, sondern
daß sie beweglich ist
(d.h. variabel).
D.h. ich muß in ihr den Repräsentanten der unendlichen räumlichen Möglichkeit sehen. |
Wenn ich einen mathematischen Satz und einen
Beweis für ihn kenne, und später lerne ich noch einen
weiteren Beweis dieses Satzes kennen, so habe ich damit ein neues
System kennen gelernt. |
Angenommen, jemand untersuchte gerade Zahlen auf das
Stimmen des
Goldbach'schen Satzes hin. Er würde
nun die Vermutung aussprechen – und die …
|
23 Es hat Sinn, von zwei Punkten zu sagen, daß sie durch eine Gerade verbunden seien. Aber heißt das, “es hat Sinn, von zwei Dingen, die Punkte sind, zu sagen etc.”? – |
Wie
weiß ich dann, daß
ein Zeichen “A” einen Punkt
bezeichnet? Etwa indem ich sehe,
daß “A” in bestimmter
Weise mit anderen Zeichen verknüpft werden darf.
Aber wie weiß ich,
daß diese anderen Zeichen
Gerade bezeichnen etc.?
Dadurch, daß sie mit
“A” verknüpft werden
dürfen? Sie können doch nicht gegenseitig ihre
Bedeutung bestimmen. Das grammatische System
(Spiel) ist eben autonom und seine Anwendung ist in ihm nicht
gegeben. || enthalten. |
Die Geometrie anders verstanden, als
reine Grammatik, muß angewendet sein
und dann muß es wirkliche Punkte
und Geraden etc. geben; der Satz,
daß eine Gerade zwei Punkte verbindet,
muß dann eben einen wirklichen Sinn
haben. |
Und es
heißt der geometrische Satz dann auch nicht
“alle Punktpaare sind durch eine Gerade
verbunden,” sondern “können
durch eine Gerade verbunden werden”. Und hier
braucht man dann das Wort “je zwei
Punkte || Punkte” und
nicht “alle Punktpaare,” und deutet
damit den Unterschied von einer anderen Art der Allgemeinheit
an. |
Die Grammatik kann ihre Regeln nicht auf gut Glück allgemein …
|
34 Sage ich jemandem “gehe drei Schritte” und er versteht den Befehl, so kann er ihn mir etwa durch eine Zeichnung erklären. Er sagt: Wenn hier der Weg ist und A der Anfang, so willst du, daß ich nach B dann nach C und D kommen soll; oder dergleichen. Und dabei ist es klar, daß er in gewissem Sinne nur einer Sache Ausdruck verliehen hat, die er schon früher – als er den Befehl hörte und verstand – wußte. Er könnte nun so fortfahren und den Befehl noch näher erklären, etwa durch ein ausgeführteres Diagramm und immer würde er doch nur hervorbringen, was ihm schon früher klar war. Er übersetzt nur aus einer Sprache in eine andere. Und wenn er nun endlich den Befehl ausführte, zum Zeichen, daß er ihn verstanden hat – würde er da nicht wieder bloß übersetzen? |
Zwischen dem Befehl und seiner Ausführung
muß eine Kontinuität
bestehen. Die Ausführung muß,
sozusagen, nur die Endfläche des Befehls
(Befehlskörpers) sein. |
Ich denke, um mir das Wesen des Verstehens
klar zu machen, immer an eine Figur und eine Projektion, die man
von ihr macht. Die Projektionsmethode kann
nur durch den Vergleich des Bildes mit der Realität
festgehalten sein, die
eben da || vorhanden ist. |
Aber da scheint es ja, als
müsse man den Satz mit der Realität in einem
bestimmten Sinne vergleichen – also nicht nur
vergleichen. Als müßte also
die Realität in gewissen Fällen durch die Vergleichung
quasi einen Vorwurf empfinden. Wenn sich etwas
einem Ziele nähert, so liegt in dem Wort
“Ziel” hier das, was ich meine (die Intention). |
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… durch das kalte Bad ausgedrückt.
Ich meine, daß || Daß der Gedanke ganz Maß ist, wie der Maßstab; d.h. daß || wie alles am Maßstab unwesentlich ist außer dem Längenmaß. |
Der Gedanke ist ein Symbol. |
Der gegenwärtige Gedanke enthält alle Realität, die
gegenwärtig vorhanden ist.
(Und mehr kann er ja nicht haben.) |
Es ist sehr merkwürdig,
daß in einem Buch über
Differentialrechnung in den Erklärungen mengentheoretische
Ausdrücke und Symbole vorkommen, die die im
Kalkül gänzlich verschwinden. Das erinnert an
die ersten Erklärungen in den Lehrbüchern der Physik, in
denen vom Kausalitätsgesetz und
Ähnlichem die Rede ist, was,
wenn wir einmal zur Sache kommen, nicht mehr erwähnt
wird. |
Das Symbol – ich meine das, was als Symbol gebraucht
wird – mit der Wirklichkeit zu vergleichen, ist
einfach.
Die Schwierigkeit besteht darin, es, mit der symbolisierenden Beziehung
zusammen, als Gedanke mit der Wirklichkeit zu vergleichen. |
“Ich bin froh darüber, daß du
kommst” heißt nicht, ich bin froh, weil Du
kommst.
In diesem Falle wäre es eine Vermutung,
daß ich deshalb so guter Stimmung
bin.) |
47
Also ist eine hinreichende
Bedingung dafür, daß
1 bis 3, der zweite von 4 bis 15, der dritte von 16 bis 63, der m-te bis 4m‒1. Die Summe 1 +
1 +
Also muß unter den ersten 4m ganzen Zahlen mindestens eine sein, die durch keine der ersten m Zahlen teilbar ist. |
Ich kann
einen Apparat beschreiben, in welchem ein Bolzen
in einem Einschnitt eines Rades eingreift, wenn
dieses sich in einer bestimmten Stellung
befindet. Kann man sagen, der Satz ist so gebaut,
daß, wenn die Realität so ist, so
schnappt sie ein? Ich müßte
also den Gedanken beschreiben können und dann die
Realität, die so gebaut ist, daß sie mit
ihm übereinstimmt. Aber das
heißt doch garnichts. |
Man kann
auch nicht sagen, “daß auch die
lebhafteste Vorstellung doch nicht an die
Wirklichkeit herankommt”, denn damit wäre es also
doch denkbar, daß sie herankäme –
wenn es auch nie einträte –. |
54
… das heißt,
daß in diesem Vergleich ein logischer
Fehler ist. |
Wenn ich sage “b ist nicht so lang wie
a”, so scheint das jenen Schatten vorauszusetzen, der
Tatsache, daß b so lang wie a ist.
Wenn ich aber sage “b ist kleiner als
a”, so scheint das diesen Schatten nicht vorauszusetzen
und doch sagt es auch, was der erste Satz sagt. |
Man könnte also sagen: “b ist so lang wie
a” hat Sinn, weil b kürzer als a
ist.
(Oder: “dieses Buch ist blau” hat Sinn, weil es
in Wirklichkeit rot ist.) |
(Es ist eine Methode der Philosophie, die in den Wissenschaften
nicht erlaubt ist, den günstigsten Fall anzunehmen.
Am ähnlichsten ist diese Methode noch der in der
Mathematik, einen extremen Fall anzunehmen, in welchem das doch
jedenfalls eintrifft.
Argument a fortiori.) |
Man denke sich, man gäbe jemandem den Befehl eine bestimmte Handlung
auszuführen, etwa eine Linie mit dem Bleistift nachzuzeichnen.
Die Sache wird deutlicher, wenn man sich den Befehl einem unserer
Wortsprache Unkundigen mit Zeichen gegeben denkt.
Man wird dann die Handlung vormachen und nun ihm
den Bleistift geben, etwa seine Hand ein Stück führen
(oder dergleichen).
Das wird der Befehl sein.
Nun wird man freilich sagen: das ist
bloß der Ausdruck des Befehls und nicht, was wir
eigentlich meinen; was wir meinen ist: ‥‥․ und nun werden wir
andere Zeichen für das geben, “was gemeint
ist”. –
Aber, wenn man nun den Befehl ausführte und auf die Ausführung als
nachträgliche Erklärung des Befehls wiese?
Oder ist in dem Falle auch die Erfüllung nur ein Zeichen?
|
56
🖵 Die orthogonale Projektion von s auf b grenzt auf b schon das Stück s' ab. Damit ist freilich nicht gesagt, daß dieses Stück nun auf b eine besondere Farbe hat, also auch durch die Farbe begrenzt ist. Die Projektion des schwarzen Kreises in der oberen Ebene auf die untere begrenzt auf dieser schon einen Kreis; dadurch ist er aber noch kein Farbkreis. (In diesem Satz liegt Richtiges und Falsches.) |
Wenn ich nun erwarte, daß auf der unteren
Ebene ein Kreis erscheinen wird, von dem gesagt wird,
daß er die orthogonale Projektion des
oberen und von gleicher Farbe ist, so gäbe ich weiter nichts
als eine Projektionsmethode.
Die Projektionsmethode kann ich von anderen Gebilden kennen.
Ich kenne sie aber doch nur so, daß eine Figur
die orthogonale Projektion einer anderen ist; aber doch nicht so,
daß keine Figur die Projektion einer Figur
ist.
Ich nehme mir vor, die Erscheinungen auf der unteren Ebene in bestimmter Weise zu
beurteilen.
Dann muß in diesem Vorsatz schon
die Projektion stecken. |
Was heißt es, eine Strecke daraufhin
untersuchen, ob sie die orthogonale Projektion einer anderen
sei?1
Es kann nur heißen, eben die Striche zu ziehen, die man in einem solchen Fall zieht. – Wie ist es aber mit der Untersuchung, ob die untere Farbe die gleiche ist, wie die obere. Oder kann man sagen: auch da stelle ich mich in bestimmter Weise ein, so wie ich etwa Linien ziehe, um feststellen zu können, ob die untere Figur die Projektion der oberen ist. Ich glaube, so ist es. Das ist alles ein Einstellen, aber mehr kann ich nun nicht tun. Und dieses Einstellen ist nicht das Einstellen auf etwas anderes, d.h. nicht mit Beziehung auf etwas, was noch nicht da ist, sondern es
57 ist autonom, sozusagen das Aufrichten eines
Maßstabes, was immer geschehen mag.
|
(Des Rätsels Lösung muß in der Art || Festsetzung über die Art und Weise liegen,
wie die Erscheinung dann beschrieben wird, wenn sie
kommt.) |
Es ist ungemein schwer, den eigentlichen Ort || Punkt der
Schwierigkeit mit Worten zu erreichen. |
Denken wir uns die Einstellung durch einen Zeiger, wie
den gelben Zeiger am Aneroidbarometer, und etwa
ein solches Barometer und eine Uhr.
Auf beiden Zifferblättern stelle ich den
freien Zeiger ein, und drücke dadurch die
Erwartung aus, daß, wenn der Uhrzeiger bei a'
anlangt, der andere auf
a stehen wird.
(Es ist kein Zweifel, daß das ein vollkommener
Ausdruck der Erwartung, des Gedankens, ist.)
Bleibt nun die Uhr etwa stehen, so daß
ihr Zeiger a' nicht erreicht, dann gilt das Ganze nicht,
ebenso, wenn etwa der Zeiger des Barometers plötzlich
verschwände.
Dann wäre eben kein Zeichen da.
Ist es aber da, dann hat das Barometer sozusagen keine andre Wahl, als
auf a zu stehen oder nicht auf a zu
stehen, und dann ist der Gedanke verifiziert oder er ist falsifiziert
worden. |
Wo haben wir aber in diesem Satzzeichen Worte, oder etwas, was den
Worten entspricht?
Es “bedeutet” offenbar
a' den Uhrzeiger und a den Barometerzeiger.
|
Dann weist mein Benehmen, meine Handlung, die logische
58 Verwandtschaft mit den Zeichen auf, die ein
solches Zeichen mit seiner Übersetzung
aufweist. |
Was ich immer sagen will, ist, daß der Gedanke
nichts Menschliches ist.
Daß er auch nicht ein bestimmtes Gefühl ist,
das man eben nur fühlen, aber nicht
etwa auch ansehen kann.
Man kann z.B. Zahnschmerzen nicht gleichsam
herausstellen und ansehen.
(Natürlich kann man nicht sagen, die Zahnschmerzen kenne man von
innen, indem man sie fühlt und könne sie von
außen betrachten.
Denn die Zahnschmerzen haben kein Innen und
Außen.) |
Die heute gewöhnliche Auffassung ist die, daß das
Denken – durch den Kopf oder die Seele besorgt – ein
Privilegium eben des Kopfes oder der Seele ist (wie etwa die
natürliche Verdauung,
des Magens).
Und das ist sie auch als naturgeschichtlicher
Prozeß || Akt betrachtet, wie auch die
Verdauung in diesem Sinn dem Magen eigentümlich ist, – aber vom
Standpunkt des Chemikers betrachtet ist die Verdauung ein
Prozeß, der dem tierischen Magen nicht eignet und
ganz unabhängig davon ist, wo er tatsächlich stattfindet. –
So hat es der Logiker nicht mit einem spezifisch menschlichen
Prozeß zu tun. |
Die Logik ist eine Geometrie des Denkens. |
Man könnte freilich sagen, daß die Uhr und das
Barometer mit den verstellbaren Zeigern nur der Ausdruck eines Gedankens,
aber nicht der Gedanke selbst sind; aber dann sind sie doch Teile,
Werkzeuge, eines Gedankens, und was immer der Gedanke selbst ist, so ist
er ein anderer Vorgang als der, welcher ihn verifiziert und er hat mit diesem Vorgang nur soviel gemein, || kann mit
diesem Vorgang nur soviel gemein haben, als jene Vorrichtungen der
Uhr und des Barometers haben. –
Darum kann – und muß – man (in der
Logik) auch mit dem
“Ausdruck” der Gedanken operieren und auf das Andere keine
Rücksicht … |
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Das Denken macht Pläne.
Es zeichnet Pläne einfacher oder sehr komplizierter Art.
Nun sagt man aber: das ist doch nicht alles, man will doch etwas mit diesen Plänen, sie bedeuten doch etwas, d.h. sie sind doch mit einer Absicht gezeichnet. Ja, aber hier gibt es zwei Möglichkeiten: entweder diese Absicht ist ein Gefühl oder dergleichen, dann interessiert sie uns nicht, oder aber sie ist Teil der Sache, dann gehört sie zum Bild. Die Logik ist immer sachlich. |
Wenn der Befehl z.B. darin besteht, einen gewissen
Weg zu machen, so kann ich ihn mit Hilfe einer Karte (eines Planes)
ausdrücken.
Dabei kann der Befehl auch lauten, einen oder den anderen
Weg zu gehen und etwa gewisse Wege nicht zu gehen.
Das wird dann auch im Bild seinen Ausdruck finden, indem etwa
die ausgeschlossenen Wege durchstrichen werden.
Der Befehl || Das Bild könnte auch
bedeuten, man dürfe überall zwischen den beiden Linien
gehen, außer über das schraffierte Feld.
|
Wenn nun tatsächlich ein Weg zwischen zwei Orten abgesperrt
wird und etliche andere offen gelassen werden, ist
in diesen Tatsachen schon eine Verneinung und eine
Disjunktion enthalten? |
Wie ist es aber, wenn ich einen Befehl auf eine bestimmte Weise
interpretiere und ihm zuwiderhandle.
Worin liegt es, daß meine Handlung nicht
meine Interpretation des Befehls ist, sondern ein
Entgegenhandeln?
Wird dadurch nicht meine frühere Auffassung über
den Haufen geworfen?
Ich kann sagen, wenn der Handelnde es nicht sagte || ausdrückte, so könnte man nie wissen, daß es ein Entgegenhandeln ist. Und wenn er es nun sagt, so verstehen wir es nur durch unsere Interpretation der Verneinung. |
65
Man würde glauben, wenn ich dem Befehl, so wie ich ihn
verstehe, || auffasse, zuwiderhandeln kann, dann
muß meine Handlung dem Ausdruck meiner Auffassung
unmittelbar widerstreiten. –
Oder ist es nur die Interpretation meiner Handlung, die der
Interpretation des Befehls (sozusagen auf gleicher Ebene)
widerspricht? |
Disjunktion, Negation etc.
scheinen in der Einstellung zu einem Bild zu
liegen. Sie entsprechen || scheint in der Einstellung zu einem
Bild zu liegen. Sie entspricht der elektrischen Schaltung,
durch die etwa eine Klingel mit Schaltern verbunden
ist. |
Denken wir uns folgende Einstellung:
1) Die Glocke läutet nur dann, wenn ich den Zeiger a dem Zeiger b gleichrichte; 🖵 2) die Glocke läutet nur dann nicht, wenn ich a dem b gleichrichte; 3) die Glocke läutet nur, wenn a entweder dem b oder auch dem c gleichgerichtet ist; 4) die Glocke läutet in allen anderen Zeigerstellungen von a, außer, wenn er mit b oder c gleichgerichtet ist; 5) die Glocke läutet nur dann, wenn sowohl b als c mit a gleichgerichtet sind; 6) die Glocke läutet nur, wenn b mit a gleichgerichtet, c mit a aber nicht gleichgerichtet ist; etc. Das Glockenzeichen bedeutet Zustimmung (oder auch das Umgekehrte). Man könnte so eine Schaltung auch an dem Modell der erlaubten oder verbotenen Wege anbringen. Dieses Modell wäre dann der Ausdruck eines Befehls. Könnte man es aber mit Recht ein Bild nennen? |
Eine Meinung (d.h. ein Sinn), die man nicht
erklären kann, interessiert uns nicht, denn, ihr kann man auch nicht
zuwiderhandeln. |
Wenn die Interpretation ein Bild ist, so
sind zwei entgegengesetzte Interpretationen
entgegengesetzte Bilder. |
In Wahrheit muß aber im Verbot immer das beschrieben
werden,
… |
75
… sein, wenigstens im wörtlichen Sinne; –
seine “Zusammensetzung” besteht eigentlich
darin, daß er ein besonderer Fall einer allgemeinen
Regel der Bildung von Zeichen ist.
Denn man kann zwar “ambulo” aus der
Stammsilbe und der Endung zusammengesetzt ansehen, aber wie wäre es,
wenn diese Form bloß durch die
Stammsilbe allein gebildet würde? |
Wie man von dem Sinn eines Satzes in gewisser Weise nicht reden kann,
so auch nicht von dem Ausdruck des Gedankens, Wunsches, Befehls,
etc., denn auf die Frage:
“Welcher || welcher
Wunsch ist durch diesen Satz ausgedrückt”,
muß nur﹖ ein Ausdruck des Wunsches zur
Antwort kommen.
Dasselbe gilt auch von dem Ausdruck “dieser Satz teilt mir etwas (bestimmtes) mit”. |
Und hier muß man – glaube ich –
sagen, daß die Verneinung,
Disjunktion, etc., im Gedanken ebenso
“primitiv” ist, wie in unserer Zeichensprache.
Wie vermöchte man auch in ihr die Verneinung zu denken,
wenn sie wie ein schlecht passendes Kleid der Verneinung
wäre.
Oder – würde man erwarten – man müßte doch
fühlen, wie einen die Ausdrucksform überall drückt (quasi wie ein
harter nicht wirklich passender Schuh.) |
Gibt es einen Existenzbeweis für Primzahlen, und einen
der die Existenz unendlich vieler Primzahlen beweist?
Und in welchem Verhältnis stehen diese zueinander? |
Durch die Methode des
Multiplizierens (etwa im Dezimalsystem, aber gleichgültig in
welchem System) ist die Existenz von Produkten, von teilbaren Zahlen
bewiesen. |
Wenn n und m relativ prim sind und n die
größere und
76
n = a0m +
r0, dann können die Fälle eintreten,
daß |
Fügt man nun n zusammen zu
1n,
2n,
3n
etc. so sieht man, daß gegenüber
einem Vielfachen von m solange ein Rest bleibt, bis man
zu m ∙ n kommt, wo immer der
Euklidische
Algorithmus endet (d.h.
welche der Formeln immer für m anwendbar ist).
Im ersten Fall z.B. wenn m = a1a2 + 1 : 1n = a0m + a2 2n = 2a0m + 2a2 ‥‥‥‥‥‥ vn = va0m + va2 der Rest va2 bleibt jedenfalls solange kleiner als m, bis v = a1 wird; dann ist … |
80
Inwiefern kann man aber das Bild
den Beweis von
3+4 = 7
nennen? (da doch aus dem Bild die Formel in keinem Sinne
hervorgeht.)
Offenbar nur kraft einer allgemeinen Regel, die Gleichungen mit solchen
Bildern verknüpft.
Denn wenn ich die Gleichung 2+5 = 9 aufstelle, so kann man sagen “wir werden gleich sehen, ob das so ist”, und nun stellt man den entsprechenden Kalkül an und sieht, ob die Gleichung stimmt (und genau dasselbe gilt natürlich von den Ungleichungen). Aber der entsprechende Kalkül entspricht eben nur auf Grund einer allgemeinen || durch eine allgemeine Regel. |
Das Wort “Gasthaus” über dem Tor eines Hauses zeigt an,
daß dort ein Gasthaus ist.
Es muß der besondere Fall einer allgemeinen Regel
vorliegen, damit wir das Wort als
einen Satz || Mitteilung, also als Satz,
verstehen.
Das zeigt uns wie weit
“Zusammengesetztheit” ein
Charakteristikum des Satzes ist.
|
91
Was geschieht, wenn ich mir
einen Schachzug überlege?
In diesem Falle kann
ich die Züge im Vorhinein machen und also
das direkteste Bild dessen entwerfen, was geschehen wird.
|
“Wieviel Punkte
muß man nach der Reihe setzen, um das
‘u.s.w.’
anzudeuten?”
Tut es nicht
einer? |
Kann man von der Zahlenreihe sagen, sie habe
kein Ende?
“Aber, wie wäre
es, wenn es anders wäre?”
Aber
kann ich nicht vom Schachspiel sagen, die Reihe der
Schachfiguren habe ein Ende, und in einem
anderen || andern Spiel, sie habe kein Ende? wenn man die
Erlaubnis hätte, beliebig viele Felder, einer Regel
gemäß, mit Steinen zu besetzen.
|
(Was ich mit den
Zeichen tue, ist für den Mathematiker ein
Herum‥‥ [und war es für
Ramsey], und mit
Recht, denn er will vorwärtskommen,
während ich mich ungestört || unbeirrt bei einigen
wenigen Zeichen und zwei Schritten des Kalküls
aufhalte.) |
a+ (b+1) = (a+b)+1 (R)
|
1) There is a mark added by hand - possibly by Wittgenstein - indicating new line.
2) There is a line connecting this remark with the following one.
To cite this element you can use the following URL:
BOXVIEW: http://www.wittgensteinsource.com/BTE/Ts-236_n